Immer wieder verlassen uns Kinder. Stellvertretend möchten wir einige von ihnen vorstellen. Mädchen und Jungen, die wir auf ihrem letzten Weg begleitet haben. Die tapfer und kämpferisch, liebenswert und phantasievoll waren. Und einzigartig – wie jeder einzelne Stern am Himmel.

„Wenn Sterne am Himmel leuchten, tritt Licht in unser Herz. Denn wir wissen, Du siehst auf uns herab…“ (aus einem Nachruf)

01.02.2013

Daniel

Daniel litt an einem metastierenden (streuenden) Hirntumor und starb drei Wochen nach seinem 14. Geburtstag. Sein größter Wunsch, nach seinem langen Leidensweg zu Hause bei seiner Familie sterben zu dürfen, wurde erfüllt.

Dank der vertrauensvollen Betreuung und kompetenten Begleitung durch die Palliativärzte, Schwestern und Therapeuten des KinderPalliativTeams Nordhessen erlebte vor allem Mutter Nicole „eine Rückendeckung, die mir in der Zeit der permanenten Angst um meinen Sohn immer wieder Kraft, Ruhe, Sicherheit und Halt gab.“

Tapfer und mit einem starken, schier unerschöpflichen Lebenswillen hatte Daniel, seitdem er sieben Jahre alt ist, zahlreiche Krankenhausaufenthalte, Operationen und kräftezehrende Therapien ertragen. Die Zeit: ein Wechselbad der Gefühle. Hoffnungen wechseln sich mit Rückschlägen ab; jede Nachuntersuchung ist von der Angst der Familie begleitet: Wie geht es weiter; wie viel Zeit haben wir noch mit Daniel?

Ende 2011 lernt Familie Dorer aus Bad Emstal das KinderPalliativTeam Nordhessen kennen; kurz zuvor hatte der Junge in seiner Erschöpfung die Mutter angefleht: „Ich kann nicht mehr. Bitte mach, dass ich nicht mehr in die Klinik muss.“ Daniel erholt sich zu Hause, geht sogar wieder zur Schule. Doch nur ein dreiviertel Jahr später wird sein Zustand lebensbedrohlich.

Von jetzt an, so berichtet die Mutter, wird das KinderPalliativTeam zu einem festen Teil der Familie. Wann immer die Eltern spüren, Daniel oder auch sie brauchen unverzüglich und dringlich Hilfe, rufen sie beim Team an. „Wir haben Frau Dr. Rodehüser auch nachts aus dem Bett klingeln dürfen; sie war auf dem schnellsten Wege bei uns, gab Daniel schmerzstillende Medikamente und beruhigte vor allem uns. Erst wenn sie absolut sicher war, dass sie uns wieder allein lassen kann, verabschiedete sie sich. Sie war, wie alle anderen vom Team auch, nicht nur Ärztin oder Pflegerin; es sind vor allem Menschen mit Herz und Gefühl.“

Der größte Gewinn dieser Zeit, so sind sich die Eltern einig, war, dass wieder ein Familienleben miteinander möglich wurde. Keine Trennungen mehr, weil der eine Elternteil mit Daniel in der Klinik weilte, der andere mit den drei Geschwistern Oliver, Niklas und Elias zu Hause war und den Alltag organisierte.
„Daniel liebte es, unter uns zu sein. Oft saß die ganze Familie, mit Oma und Opa, an seinem Bett. Wir haben geredet, auch über seinen Tod. Aber noch mehr haben wir uns in die Arme genommen und geschmust.“

Ende Januar 2013 ist abzusehen, dass Daniels Lebensende naht. Als der Junge seinem Wunsch entsprechend nach einer sehr unruhigen Nacht am Sonntag, 27. Januar zu Hause konfirmiert wird sind auch zwei Kolleginnen vom KinderPalliativTeam dabei. An diesem Tag bricht Daniels Mutter in ihrer ganzen Belastung seelisch zusammen, will Daniel in die Klinik geben. Die Angst, in der Versorgung ihres schwerstkranken Sohnes etwas falsch zu machen, ist zu groß. Und wieder fängt das Team sie auf und ermutigt sie, die schwierige Situation durchzustehen. „Sie machen nichts verkehrt. Wir sind bei Ihnen.“

Daniel stirbt fünf Tage später, am Abend des 1. Februar 2013. Im Schlafzimmer, ganz nah bei der Mutter. So, wie sie es ihm versprochen hat. „Daniel ist entspannt und friedlich eingeschlafen.“

Auch über den Tod hinaus hält das KinderPalliativTeam Kontakt zur Familie; bietet weiterhin Unterstützung und Gespräche an. Dass Daniel im vertrauten Zuhause sterben durfte, macht die Dorers dankbar und glücklich – bei aller tiefen Trauer.

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